Hallo
Zwei Dinge habe ich im letzten Monat über mich gelernt.
1) Die unglaubliche Stärke der dunklen Seite der Macht der Gewohnheit.
2) Wenn Wettkampfsportler gegen ein Medikament einen persönlichen Zweikampf eröffnen.
Zu 1)
Der Satz gefällt mir sehr, ist mir irgendwann in den letzten Tagen in den Kopf gekommen, als ich sah, wie extrem schwer ich mich von meinen alten Gewohnheiten, ich würde sie sogar Ritualen lösen kann. Nach Hause kommen, umziehen, Einkaufen, Bier mitbringen und los. Auch unter der Hohen Dosis von Baclofen komm ich von diesem Ritual kaum los. Ich habe ein unglaubliches Unbehagen, das zu ändern. Geht sogar so weit, dass ich fest davon überzeugt bin, dass nur so mein Leben funktioniert und ich zufrieden ins Bett gehen kann. Also, ich mach das immer noch. Aber, ich gehe viel später los, und kaufe auch weniger ein. Doch selbst wenn mein Vorrat zu Hause nicht aufgestockt werden muss, ich zieh trotzdem los. Macht der Gewohnheit.
Zu 2)
Warum trinke ich trotz Baclofen und Nebenwirkungen noch weiter? Habe ich erst nicht verstanden, bis mir klar wurde, ich bin ja ein Wettkampfsportler. Und das übertrage ich gerade auf die Wirkungen von Baclofen versus meinen sportlichen Ehrgeiz der bessere Trinker zu sein, ich bestimme wer Sieger über die Nebenwirkungen in meinem Körper ist. Je höher die Dosis, um so harter der Wettkampf. Bei 175mg habe ich es nun kapiert, ich kann gegen einen Gegner, der unendliche Reserven hat auf Dauer nur verlieren. Was macht man dann? In seiner Sportart orientiert man sich um, man schaut nicht auf die Leute der Top 10 Platzierungen, man orientiert sich an seine Altersklasse. Oder aber man ignoriert die Ergebnislisten, und hat einfach nur noch Spaß dabei zu sein. Also, für mich kein weiterer Wettkampf mehr der Art wer kann mehr. Baclofen hat gewonnen. Also trinke ich wieder normal, so wie früher. Normal heißt, ich nutze wieder Gläser! Der Rest der Flasche wandert zurück in den Kühlschrank. Und ich will runter auf ca. 1 Fl. Bier am Abend.
Und noch mehr ist passiert. Ich habe meinen Traum wiedergefunden, meinen Lebenstraum den ich als Jugendlicher mal hatte. Er war nie ganz weg, nur der damals verschwommen angedachte Weg hat eine für mich völlig überraschende andere Richtung bekommen. Meine Freundin hatte mir in den letzten Monaten schon mehrfach gesagt, ich sei ein Künstler. Kunst im Sinne von Skulpturen erschaffen. Sie hat Ahnung, hatte Design studiert und sammelt selber ein wenig Gemälde. Na ja, die Skulpturen aus meiner Hand, die sie so begeisterten, fand ich doch recht langweilig. Bis ich durch Zufall eine Kunstrichtung entdeckt habe, die mich ganz schnell in ihren Bann gezogen hat. Ja, dass möchte ich machen. Ja, das hat mir im Grunde schon immer gefallen. Ja, da kann ich all das Einbringen, was ich in den letzten 40 Jahren gelernt und gemacht habe. Als mir das immer mehr klar wurde, sah ich auch meine Möglichkeiten dies in Angriff zu nehmen als realistisch an. Ich werde deswegen nicht meinen Job aufgeben, dafür verdiene ich zu gut. Mein nächstes Ziel ist meine Arbeit in einer Galerie zu bekommen und auch verkauft zu bekommen. Ich werde euch leider nicht mehr sagen können, was ich da eigentlich erschaffe. Denn ich möchte auf keinen Fall eine Verbindung über die Kunst zum Alkohol ermöglichen, die wann auch immer in der Google Trefferliste auftaucht.
Nun zu den Grafiken für den Monat Januar.
Die sehen im Vergleich zu den Vormonaten beschissen aus. Optisch betrachtet und auch von den absoluten Zahlen her. Das ist Punkt 2 geschuldet und zum Teil auch Punkt 1, da ich immer genügend Bier im Haus hatte. Und die Flaschen stehen auch auf der dunklen Seite der Macht, die wollen weg.
Lediglich am Monatsende habe ich es dann geschafft konstant bei 175mg Baclofen zu bleiben. Lasse mich von Baclofen besiegen. Ist ganz interessant, körperlich fühlt es sich am späten Abend dann fast so an als wäre ich betrunken, aber der Kopf kann klar denken. Auch die Müdigkeitsattacken am Tag sind echt eine Herausforderung, aber ich kann klar Denken und weiter Arbeiten. Ist akzeptabel. Ich arbeite jetzt nicht mehr gegen Baclofen, sondern konzentriere mich auf das damit klar kommen. Ist halt so. Ist wie ein Pflaster oder ein Verband an der Hand, das einen hin und wieder am Tag, z.B. beim Händewaschen mächtig stört. Aber es muss sein, wird ja bald wieder besser sein und dann kommt der Verband ab. Mit dieser Einstellung sehe ich nun die Nebenwirkungen von Baclofen. Und ich bin heilfroh nicht Autofahren zu müssen. Das geht damit überhaupt nicht. Wenn ich fahre, dann nur unter geänderten Einnahmezeiten. Meinen klaren Kopf nutze ich für meine neue Aufgabe, sogar der Fernseher ist an einigen Abenden aus geblieben. Ich habe eine Aufgabe. Und ich musste mir sie nicht suchen, sie war die ganze Zeit da. Nur von außen musste ich mal mit der Nase darauf gestoßen werden.
Der Langzeit-Chart zeigt klar eine Gegenreaktion, würde man so bei Aktien sagen. Ja ist so. Bin aber immer noch besser als in vielen Monaten zuvor und auch die Durchschnittslinie zeigt immer noch in Richtung Verbesserung.
Die Zacken bei der Baclofendosierung haben mit Vergesslichkeit zu tun bzw. machten es mir äußere Umstände es nicht möglich alles wie geplant einzuwerfen, z.B. wegen Autofahrten.
Fazit bis jetzt. Je nach Charakter ist der Weg mit Baclofen sicherlich ganz verschieden und auch über mehrere Monate ändert sich einiges. Was mich in meinem Leben ausgezeichnet hat, war immer meine Beharrlichkeit, das hilft mir auch diesmal. Ich glaube an Baclofen.
