Moin Mellchen!
"Zausel" ist wirklich gut, weil er bei Dir genau die Gedankengänge anstößt, die es braucht. Du bist aber auch eine sehr gute Patientin, weil Du Dich wirklich ernsthaft auf die Therapie einlässt und nicht - wie viele andere - zu machst, wenn's unangenehm oder anstrengend wird

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Vielleicht solltest Du Dir bei Deinen jetzigen Überlegungen auch mal grundsätzlich die Frage stellen:
Wann ist das Mellchen (aus Deiner Sicht) ein gutes Mellchen?
Mal ganz plakativ: Ist Mellchen (schon) mit sich zufrieden, wenn es ein (in seinen Augen) sehr gutes Bild gemalt hat, oder freut es sich erst dann, wenn das Bild (und indirekt damit natürlich auch das Mellchen) von anderen gelobt wird?
Es spielt nämlich eine ganz entscheidende Rolle, worauf das viel beschworene "Selbstwertgefühl" basiert. Ist es ein "abhängiges" (also: Bin ich nur etwas wert, wenn mich die anderen mögen, loben, gut finden etc.?) oder ist es ein "unabhängiges" (vereinfacht gesagt: Ich mag mich so, wie ich bin. Wenn andere mich auch so mögen - prima. Wenn nicht, Pech für die anderen).
Oft ist das Suchtmittel für Menschen, die ihr Selbstwertgefühl von der Reaktion ihrer Umwelt abhängig machen, die einzige Möglichkeit, diese "Kluft" zwischen dem "Ich würde gerne" und "Ich muss" einigermaßen zu ertragen.
Ich würde heute Abend gerne gemütlich vorm Fernseher zu Hause bleiben, bin aber bei Bekannten eingeladen und muss da hin, weil die sonst sauer sind.
Wenn so eine Situation gelegentlich mal auftritt, isses halt so. Es gibt immer mal Dinge, die man eben machen muss. So funktioniert Zusammenleben nunmal.
Wenn das aber Überhand nimmt (und das ist bei unsereins sehr oft der Fall), dann wird's gefährlich. Wenn ich keine Bitte mehr abschlagen kann aus Angst, mein Gegenüber ist mir böse. Wenn meine eigenen Vorlieben auf der Strecke bleiben, weil ich glaube, es allen anderen Recht machen zu müssen nur nicht mir selbst, dann können extreme Spannungen entstehen, die oft nüchtern kaum noch zu ertragen sind.
Vielleicht wird in diesem Zusammenhang auch klarer, warum "Ablehnung" oder besser die "Angst vor Ablehnung" eine so bedeutende Rolle spielen kann. Weil der "Selbstwert" maßgeblich über die Anerkennung durch andere definiert wird.
Die Krux ist es dabei zu kapieren, dass die verquere Wahrnehmung (wenn ich nicht..., dann denken die anderen...) oft nur in unseren Köpfen vorherrscht. Ein "Nein" muss nicht zwingend bedeuten, dass mein Gegenüber sauer ist. Gerade weil er/sie mich nicht aufgrund meiner ständigen Aufopferungsbereitschaft toll findet (klar mag das hier und da ganz nützlich sein), sondern weil er/sie mich als Mensch mag.
Wenn ich aber mein Leben lang davon ausgegangen bin, dass ich stets eine Gegenleistung erbringen muss, um - nennen wir's beim Namen - "geliebt" zu werden, dann habe ich die wichtige Erfahrung, dass ein "Nein" weder das Ende der Harmonie noch das Ende einer Freundschaft bedeutet, noch nie gemacht. Woher soll ich es also wissen?
Achte mal darauf, wie oft Du schon ein "Nein" von anderen bekommen hast. Hast Du denen deswegen gleich die Freundschaft aufgekündigt?
Klar sind die Freunde/Bekannte bei einem "Nein" von Dir erstmal perplex, weil es für sie völlig unverhofft kommt. Was ist denn mit Mellchen los, die sagt doch sonst immer "Ja"?
Und klar trennt sich da die Spreu vom Weizen: In die, die es wirklich nur auf Ausnutzung abgesehen hatten, und für die Du dann in der Tat nichts mehr "wert" bist, wenn Du ihre Erwartungen nicht erfüllst - und in die, denen am Menschen Mellchen etwas liegt, ganz unabhängig davon, ob sie beim nächsten Umzug mithilft. Letztere haben überhaupt kein Problem damit, wenn Du hin und wieder auch mal sagst: "Sorry, heute leider ohne mich!"
Im Grunde steckt das alles schon im Wort drin: Es heißt "SELBST-WERT" - nicht "ANDERE-WERT".
Einen schönen Herbsttag wünscht
Papfl