Hallo WilloTse,
der Verlauf war eigentlich nicht besonders dramatisch. Wie gesagt hatte ich mit Baclofen angefangen und auch sofort eine gewisser "Erleichterung" hinsichtlich des Drucks zu trinken gespürt. Anfangs hatte ich etwas Angst vor der Dosierung da mir oft schummerig war und ich wie in Watte durch die Gegend gelaufen bin. Trotzdem habe ich die Dosierung recht schnell so hoch geschraubt, dass wirklich KEIN Verlangen mehr da war. Das hat mich dann von Tag zu Tag immer mehr entspannt. Ich wusste ja, der schreckliche Druck, dem ich nie widerstehen konnte ist weg. Meine größte Sorge war immer, dass mir die Medis ausgehen und ich wieder in mein altes Raster falle. Nach ca. 3 Monaten bin ich langsam mit der Menge runtergefahren - bis ich merkte dass ich wieder öfter an Alkohol denke und gerne hätte. Am besten bin ich dann mit 75 mg gefahren (1 x täglich am Nachmittag, da ich immer erst ab ca. 16.00 Uhr Stoff gebraucht habe). Dies habe ich wieder bis ca. November/Dezember gehalten und bin wieder weiter runter. Irgendwann war ich bei 25 mg, dann bei 20 usw., sodass ich es am Ende ganz weggelassen habe. Mir hat wirklich auch geholfen, mich mit diesem Gefühl etwas zu brauchen auseinanderzusetzen. Also die Frage nach dem Warum. Was fehlt mir wirklich? Was soll der Alkohol kompensieren usw.? Mir wurde klar, dass mir eigentlich ganz andere Dinge fehlen, dass ich mich nie wirklich um mich und meine Bedürfnisse gekümmert habe. Oft wusste ich einfach nicht, was ich nach Feierabend mit mir anfangen soll (mein Mann kommt abends rechts spät von der Arbeit). Ich hatte laufend ein schlechtes Gewissen, weil ich "nichts" mehr tue wenn ich mit der Arbeit fertig bin, sprich ich konnte mir den Feierabend selbst nicht gönnen. Diese - völlig bescheuerten- Gedanken musste ich betäuben, darum auch immer so ab 16.00 Uhr das Bedürfnis. Heute gehe ich schwimmen, nehme ein schönes Bad, lese ein gutes Buch oder beschäftige mich mit anderen Dingen. Ich versuche die freie Zeit zu genießen, freue mich schon am Abend auf ein "leidenfreies" Aufwachen am anderen Tag und bin täglich stolz darauf, wenn es wieder ein "trockener Tag" war. Hin und wieder trinke ich bei schönem Wetter auf der Terrasse auch ganz bewusst ein alkoholfreies Weizen. Das genieße ich dann richtig und eines reicht mir dann auch immer völlig aus. Ich denke, dass ich gar nicht wirklich körperlich abhängig war/bin. Ich hatte keine Hallus, Zittern oder dergleichen. Bei mir war/ist es wohl eher eine psychische Abhängigkeit. Jedenfalls gehe ich sehr viel achtsamer mit mir selbst um, versuche vor allem rauszufinden, was ich wirklich möchte wenn alles in mir nach Stoff schreit. Ganz weg wird das evtl. nie mehr gehen, bzw. es wird wohl immer mal wieder auftauchen, vor allem bei starker Belastung o.ä., aber ich bin mittlerweile zuversichtlich, dass ich es auf Dauer auch ohne Hilfsmittel schaffen kann, alkoholfrei zu leben. Wie gesagt, eigentlich kein weltbewegender Verlauf aber ich bin heilfroh, dass ich auf dieses Mittel gestossen bin und mein Leben endlich eine neue Perspektive bekommen hat! Ich wünsche es jedenfalls ALLEN hier von ganzem Herzen, dass sie es schaffen! Nicht aufgeben, sich auch über kleine Schritte freuen und vor allem liebevoller mit sich umgehen, das macht schon sehr viel aus!
Ganz liebe Grüße
Sternchen
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