...liebes Tagebuch,
heute ist mir etwas erstaunliches wiederfahren und ich möchte dir davon berichten.
Es war eigentlich ein Freitag, wie unzählige andere. Nach einem langweiligen Vormittag hab ich mich noch kurz zum Supermarkt aufgemacht, um abends nicht für viel Geld das Schrimps-Taxi bemühen zu müssen, hab mir dann gegen 17:30 eine sehr passiv gemischte Weinschorle eingeschenkt - und dann geschah es.
Eine gute Freundin mit Lateinamerikanischen Wohnsitz meldet sich per Skype und im Wege der nun folgenden virtuellen Unterhaltung bemerkt sie plötzlich, das ich ja nun schon seit einem Monat "Clean" sei.
Anmerkung: Mit "Clean" ist in diesem Zusammenhang nicht die vollkommene Abstinenz gemeint, sondern das Ausbleiben jeglicher Absturz- oder Entzugserscheinungen.
Und tatsächlich. Ich hatte das selbst gar nicht so registriert. Aber es ist so. Mein letzter Absturz zog sich von 29.-31.Dezember (nachmittags). Danach folgte etwa eibe Woche ausnüchtern, selbstmitleid und elend - aber wem erzähl ich das?
Was ist nun also anders? Und ist es überhaubt schon Zeit für ein erstes "neues" Resumee?
Ich denke schon, denn:
- Ich hab im Januar diverse Dinge erledigt bekommen, die ich seit monaten vor mir hergeschoben hab - inkl. erneuten Termin beim Bac Doc
- Ich bin voller Elan, hab Lust rauszugehen und tu das auch. Bin aktiv wie lange nicht mehr
Vorhin hab ich mir erstmal ne heisse Wanne genehmigt. Naturgemäß ist man danach sau durstig und normal ging dann mein Griff zur geliebten Weinschorle. Nicht so heute. Da griff ich wie automatisch zum Eistee. Nicht weil ich mich innerlich irgendwie gezügelt habe ("trink doch erstmal was ohne...") - einfach selbstverständlich, als hätte ich das nie anders gemacht.
Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die mir in letzter Zeit begegnet sind. Letzten Sonntag hab ich nach einem Stadionbesuch meine Karre am Bahnhof stehen lassen, weil ich beim Spiel 3 Bier getrunken hatte. Noch vor 3 Monaten wären es eher 9 Bier gewesen und ich wäre wahrscheinlich gefahren....
Was hat das jetzt alles mit BAC zu tun? Nun, ich bin kein Biochemiker. Vieleicht ALLES, vieleicht gar nix. Ich bin weiterhin bei mageren 3x 6,25 und nur gelegentlich - wenn ich mich gefährdet fühle - erhöhe ich die Abendration auf 12,5.
Fühle ich irgendeinen "Kick"?
Sicher nein. Will ich vieleicht auch gar nicht.
Habe ich krankhaftes Verlangen nach Alk ("Craving")?
Ich weiss es nicht. Ich schiebe im Moment viel auf die gute alte Gewohnheit. Jedenfalls mereke ich, das es mir nicht sonderlich schwerfällt, nix zu trinken und der Kopf ist auch nicht voll mit Gedanken an Alk
Der Flugsaurier weiss also nicht, wohon die Reise geht - aber das ist irgendwie ok, denn ich habe irgendwie wieder eine innere Überzeugung, DAS die Reise weitergeht und das sie mir viel freude bereiten wird. Und DAS ist der entscheidende Unterschied zu meiner Gefühlslage im letzten jahr, wo ich teils doch arg mit Selbstzweifeln und Depressionen zu kämpfen hatte.
Wenn ihr mich jetzt aber fragt, was denn diesen Wandel ausgelöst hat -
![unknown [unknown]](https://forum-baclofen.com/images/smilies/unknown.gif)
Ich weiss es wirklich nicht. Vieleicht haben wir Rettungsflugsaurier ja die Gabe uns manchmal auch ganz unterbewusst selbst zu retten.
Ich wünsche Euch allen ein tolles Wochenende!