Ich habe jetzt einfach mal Herrn Phönix Satz aus Connys Tread aufgegriffen (kann nicht so toll Links erstellen wir ihr anderen
![smile [smile]](https://forum-baclofen.com/images/smilies/smile.gif)
" Finde übrigens, dass genau der Punkt MT, wieso, weshalb, warum bzw. ebend nicht, etc. ggf. endlich auch mal einen eigenen Fred zugestanden werden sollte."
und voila hier ist der Tread eröffnet.
Für mich persönlich ist das Thema MT kein Thema mehr, ich kann es nicht. Entweder ich trinke, auch wenn lange nicht so schlimm wie früher oder ich lasse es ganz bleiben. Ich weiß das ich nie einen Abend lang auch nur an EINEM Glas Wein rumnippeln kann - kann ich nicht, will ich nicht. Basta. Das allerdings trifft nicht nur auf den Genuß von Alkohol zu, sondern auf viele Dinge die mir Spaß machen und bei allem gilt, ganz oder gar nicht - ist halt mein Charakter.
Dennoch kopiere ich hier mal ein paar Dinge rein zu diesem heiklem Thema rein.....
Totale Abstinenz, Phasen der Enthaltsamkeit oder kontrolliertes Trinken?
An der Frage nach der Notwendigkeit absoluter Abstinenz scheiden sich die Geister. Während die Anonymen Alkoholiker darauf bestehen, dass ein Alkoholabhängiger nie wieder 'kontrolliert trinken' kann, mehren sich in letzter Zeit die Stimmen, die dem teilweise widersprechen.
Eine umfangreiche Besprechung des Pro und Kontra liefert übrigens das engagierte Buch "Alkoholabhängigkeit erkennen und behandeln" von G. Kruse, J. Körkel und U. Schmalz.
nach oben
Kontrolliertes Trinken
Ob ein Alkoholabhängiger jemals wieder 'geregelt' trinken kann, hängt von vielen Faktoren ab. Es wird daher immer eine Einzelfallentscheidung bleiben, die Therapeut und Klient gemeinsam treffen und in gewissen Zeitabständen immer wieder überdenken sollten.
+++ Wer kann überhaupt 'kontrolliert trinken'?
Trinken auf niedrigem, geregeltem Niveau eignet sich am ehesten für jüngere Personen, die:
* noch nicht schwer abhängig sind,
* über einen Arbeitsplatz und ein stabiles soziales Netzwerk verfügen und
* keine gravierenden psychischen Probleme haben.
Schwere Trinker, Langzeitabhängige und Menschen mit psychiatrischen Problemen sollten - wenn möglich! - eher eine totale Abstinenz anstreben, weil jeder Schluck Alkohol ihre psychische und körperliche Verfassung weiter schädigt. Ein geregeltes Trinken ist hier meist auch eine Überforderung, weil Suchtgedächtnis und Kontrollverlust schon zu weit ausgeprägt sind.
Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.
nach oben
+++ Wer sollte lieber abstinent bleiben oder werden?
* Menschen, die bereits zufrieden abstinent leben
* Menschen mit körperlichen Schädigungen, die durch Trinken verschlechtert werden könnten
* Menschen, die schwere Entzugserscheinungen hatten
* Menschen mit extremem Verhalten unter Alkoholeinfluss
* Werdende und stillende Mütter
* Menschen, die Medikamente einnehmen, die nicht mit Alkohol kombiniert werden dürfen
+++ Wer entscheidet über Abstinenz oder 'kontrolliertes Trinken'?
Die Entscheidung trifft der Abhängige gemeinsam mit seinem Therapeuten/Suchtberater. Ob kontrolliertes Trinken möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab; es gibt vielleicht Anhaltspunkte für die eine oder andere Lösung, aber keine Garantien und Standardvorgaben. Unter keinen Umständen aber sollte ein Alkoholkranker manipuliert oder gar zu bestimmten Veränderungen gezwungen werden. Auf unfreiwilliger Basis stellen sich Therapierfolge ohnehin nicht ein.
+++ Was ist 'kontrolliertes Trinken'?
Das A und O des kontrollierten Trinkens sind:
* Ein fester Trinkplan oder klar definierte Trinkregeln,
die AUF JEDEN FALL eingehalten werden, sowie
* das Führen eines Trinktagebuchs.
+++ Was muss man vorher festlegen?
* die maximale Trinkmenge pro Tag und Woche
* die Anzahl alkoholfreier Tage pro Woche
* evtl. Zeit, Ort und Umstände des Trinkens
(z. B. 'erst nach 18 Uhr', 'nie allein trinken', 'in der Kneipe nur 1 Bier', 'keine harten Alkoholika', 'vorher essen', 'keinen Vorrat kaufen' etc.)
Unter keinen Umständen darf der Trinkplan kurzfristig und ohne Absprache mit dem Therapeuten geändert werden. Ausnahmen sind gefährlich und können zum schleichenden Rückfall führen, da sie die Tendenz haben, sich zu häufen.
nach oben
+++ Was ist ein Trinktagebuch?
* In diesem Buch werden nach jedem Alkoholkonsum
Art, Menge, Datum, Ort, Zeit, Anwesende und Auslöser
eingetragen.
+++ Wieviel sollte man am Tag höchstens trinken?
* Mehr als 20 g (Frauen) oder 30 g (Männer) Reinalkohol pro Tag sind nicht zu empfehlen.
Zur Orientierung: 0,5 Liter Bier, 0,2 Liter Wein und 3x2cl Schnaps = je 20 g Reinalkohol
+++ Wie kommt man von 15 Bier pro Tag runter auf 1?
* Wenn die Trinkmenge vorher sehr hoch war, sollte man das 'Fernziel' über kleinere Zwischenziele ansteuern. In Absprache mit dem Therapeuten wird dann die Menge wöchentlich oder monatlich reduziert.
+++ Ist kontrolliertes Trinken leichter als Abstinenz?
Nicht unbedingt. Kontrolliertes Trinken kann auch sehr anstrengend sein, weil die Gedanken unter Umständen immer um die nächste 'Trinkerlaubnis' kreisen; d.h., man wartet auf den Abend und ist daher den ganzen Tag nicht so leistungsfähig. Auch das Führen eines Trinktagebuchs kann lästig werden. Für einige ist totale Abstinenz einfacher zu ertragen, weil weniger Selbstdisziplin erforderlich ist. Auf jeden Fall muss 'kontrolliertes Trinken' gezielt gelernt und von einem Fachmann begleitet werden. Regelmäßige Treffen mit dem Therapeuten und evtl. mit der Gruppe sind unbedingt notwendig.
nach oben
+++ Wie steht das Gesundheitswesen zum 'kontrollierten Trinken'?
Die Kostenträger für Suchttherapien betrachten die 'totale Abstinenz' gekoppelt mit der 'Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit' als einziges Therapieziel. Ambulante und stationäre Einrichtungen zur Rehabilitation Alkoholkranker dürfen nicht mit Angeboten zum Erlernen kontrollierten Trinkens werben. Tun sie es doch, riskieren sie ihre Zulassung. Deshalb werden entsprechende Angebote elegant umschrieben und verschleiert.
Das Argument der Leistungsträger für die Ablehnung von Therapien bei mangelnder Bereitschaft oder Fähigkeit, ganz mit dem Trinken aufzuhören, ist 'fehlende Motivation'. Dabei ist ja schon das Aufsuchen von Hilfe welcher Art immer ein Beleg für Motivation, und nicht jeder, der abstinent leben möchte, ist dazu auch in der Lage. Deshalb sollten auch kleine Fortschritte im Rahmen des Möglichen anerkannt werden. Sie führen übrigens unter Umständen zur Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit, während das durch totale Abstinenz nicht unbedingt gewährleistet sein muss.
Auch kontrolliertes Trinken erfordert Disziplin und Kraft, manchmal mehr als totale Abstinenz. Es verlangt nach einem Rest von Kontrolle über die Sucht und fordert somit die aktive Mitarbeit des Erkrankten. Rückfälle sind nicht häufiger zu beobachten als bei total abstinent Lebenden, und eine Flucht in alte Gewohnheiten ist ohnehin nicht möglich aufgrund der geringen Menge, die im Rahmen des kontrollierten Trinkens konsumiert werden darf.
Es gibt also keine wirklich stichhaltigen Gründe für eine pauschale Ablehnung des kontrollierten Trinkens.
nach oben
In welchen Fällen ist die Forderung nach totaler Abstinenz unrealistisch?
Totalabstinenz ist generell nur sinnvoll, wenn sie eine erhöhte Lebensqualität garantiert. Wenn dem nicht so ist, ist Schadensminimierung das Gebot der Stunde; egal, wie sie zustande kommt.
+++ Obdachlose und sozial Benachteiligte
Für viele Menschen ohne festen Wohnsitz und ohne soziale Bezüge (Freunde, Arbeit) ist der Alkohol der einzige 'Freund und Helfer'. Vor diesem Hintergrund ist es unrealistisch, eine totale Abstinenz unter allen Umständen zu erwarten oder gar einzufordern.
Die Sicherung des Überlebens bei besserer Gesundheit steht hier an erster Stelle; diese Ziele sind schon durch eine Verringerung der Trinkmenge und der Alkoholexzesse zu erreichen. Auch ein Umstieg auf weniger Hochprozentiges und längere Abstinenzen können die Gesamtsituation schon deutlich verbessern und auch die Gefährdung für das Umfeld (Gewalt gegen Partner und Kinder) verringern. Dagegen führen überzogene Forderungen oft nur dazu, dass Hilfsangebote in Zukunft abgelehnt werden, und dass sich die Betroffenen ganz aufgeben.
Eine aufsuchende Betreuung mit unaufdringlicher Lebensbegleitung, die Bereitstellung von Notschlafplätzen oder eine Unterbringung im Wohnheim ist deshalb in der Regel sinnvoller als ein rigoroses Vorgehen nach 'Schema F' und starren Vorgaben. Eine Entgiftung mit anschließender Therapie sollte stattfinden, wann immer es möglich ist, und nicht mit Begründungen wie 'mangelnde Motivation', 'zu viele Rückfälle', 'fehlender Krankenschein' oder 'hoffnungsloser Fall' abgelehnt werden. Gerade bei dieser Personengruppe geht es um's geistige und körperliche Überleben, und alles andere muss sich dieser Aufgabe unterordnen.
+++ Mehrfach Abhängige und chronische Problemtrinker
sind unter Umständen aufgrund ihrer langfristigen Suchtprägung nicht mehr in der Lage, das Trinken ganz aufzugeben, und fühlen sich deshalb von Totalabstinenz häufig überfordert. Ehe es zu weiteren Therapieabbrüchen kommt, weil der Erwartungsdruck zu groß ist, sollte man sich mit dem Möglichen zufrieden geben.
nach oben
+++ Trinker im Anfangsstadium oder mit 'riskantem' Konsum
Personen, die wegen ihrer Trinkgewohnheiten in ihrem sozialen Umfeld noch keine großen Nachteile erfahren haben, sind in der Regel nicht bereit, ganz auf Alkoholkonsum zu verzichten. Hier müssen individuelle Wege gefunden werden, um eine Verhaltensänderung zu erreichen.
+++ Menschen mit starken Persönlichkeitsstörungen
Bei Patienten mit einer ausgeprägten 'Ich-Schwäche' und mit quälenden Psychosen ist Alkohol im Laufe der Zeit oft zur 'notwendigen Therapie' geworden. Fällt diese 'Medizin' plötzlich und vollständig weg, ohne dass die Persönlichkeit vorher nachhaltig stabilisiert wurde, kann es zu einer gefährlichen Zunahme von Depressionen, Ängsten, psychotischen Krisen und suizidalen Tendenzen kommen. Die Überlebenssicherung muss auch hier zentrales Anliegen sein, so dass eine totale Abstinenz unter Umständen kontraindiziert ist.
Für einige für uns spielt das Thema wahrscheinlich keine Rolle mehr, da wir zu oft auf die Schnauze gefallen sind, aber für viele Bac "Anfänger" ist es noch ein Thema und das ist auch ok so. Wer also dazu Fragen, Antworten, Erfahrungen, Meinungen etc. hat, darf sich hier gerne äußern.
Euch allen ein schönes WE.
Argentina