Hallo in die Runde,
ich heiße George und wohne in der Nähe von Stuttgart, bin 50 Jahre.
Nun aber gleich zu meiner Geschichte. Seit ca. 2 Jahren nimmt mein Alkoholkonsum stetig zu. Das heißt ich bin mittlerweile bei einer halben- fast ganzen 0,75L Flasche hartem Zeugs pro Tag gelandet. Dabei findet der Konsum nur nach Feierabend , also in den Abendstunden zwischen 18-22 Uhr statt. Am nächsten Tag geht es mir in den ersten Stunden meistens nicht so gut.
Die gute Nachricht: Seit 3 Tagen trinke ich nicht mehr. Das hat die ersten beiden Tage besser geklappt als gedacht. Gestern, hatte ich auf der Heimfahrt von der Arbeit allerdings einen enormen Saufdruck, und ich sah mich im Geist schon zum Regal laufen, und ein Glas einschenken. Da ich eine relativ lange heimfahrt habe, habe ich meditative Musik eingelegt, und bin wieder runter gekommen. Das Ding ist, ich hab wirklich unterschiedliche Tage, manchmal Wochen die unterschiedlich stressig verlaufen. Da möchte/ kann ich mich immer auf Musik verlassen. Andererseits bin ich gerade happy, dass ich aus eigener Kraft am 3. Tag angelangt bin.
Vor 3 Jahren hatte ich mir schon einmal Baclofen aus dem Internet besorgt. Allerdings vermute, dass die Dosis nicht wirklich austariert war, bzw. ggfl. auch generell zu gering. Jedenfalls war am 2 oder 3 Tag einer aufeinanderfolgenden Einnahme keine allzu große Wirkung mehr zu spüren.
Hier wäre ich auch gleich bei meiner Frage: Macht es Sinn, Baclofen nur einzunehmen, wenn ich wirklich einen Saufdruck verspüre, oder ist ist eine regelmäßige Einnahme sinnvoller? Nicht falsch verstehen. Ich habe die letzten 2 Jahre wirklich jeden Abend viel getrunken, und das Medikament hätte mir vermutlich schon früher, und dann jeden Tag helfen können. In der jetzigen Lage könnte ich mir allerdings eine situative Anpassung sehr gut vorstellen.
Heut läufts z. B. recht entspannt für mich, so dass vermutlich auch ohne Medis über die Runden kommen würden.
In diesem Sinne wünsche ich Euch auch einen entspannten Tag, und freue mich von nun an Mitglied dieses Forums sein zu dürfen.
George
George stellt sich vor und hat gleich eine Frage
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Re: George stellt sich vor und hat gleich eine Frage
Wer aus meinen Texten nicht herauslesen kann, dass ich aus persönlicher Erfahrung schreibe, wird mich sowieso missverstehen.
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Re: George stellt sich vor und hat gleich eine Frage
Hallo George
Baclofen kann diese Drehtür-Tortur zwischen Entgiftung, Entwöhnung, Therapie, ein paar Wochen/Monaten Abstinenz und dann alles wieder von vorn...in der Tat beenden. Warum und wodurch das möglich wird, ist und erklärt.
Leider vergessen Ärzte und Therapeuten allzu oft die Biochemie, die sich bei abhängigen Menschen über die Jahre verändert hat und die sich als scheinbar unüberwindbare "Hürde" beim Kampf um die Abstinenz entpuppt. Oder sie wissen es einfach nicht
, weil sie in punkto Sucht auf dem Stand ihrer Approbation stehen geblieben sind und die neuen Entwicklungen im Bereich Hirnchemie, Stoffwechsel, Neurobiologie etc. seit der Jahrtausendwende nicht mehr verfolgt haben.
Baclofen ist natürlich keine Wunderpille, die man schluckt und alles wird von alleine gut. Das Medikament kann aber die ständigen Gedanken an Alkohol und das unbändige Verlangen, das über kurz oder lang dazu führt, dass Betroffene wieder zur Flasche greifen MÜSSEN, eindämmen.
Die Idee, die hinter der Baclofen-Therapie steht, ist
a) über die "Beruhigung" der GABA-B-Rezeptoren langfristig einen ausgeglichenen, entspannten, relaxten Zustand herzustellen, damit extreme Stress-Situationen, Spannungen, Ängste und Verstimmungen, die einen zur Flasche greifen lassen, gar nicht erst aufkommen und
b) das körperliche Verlangen nach Alkohol (physisches Craving) einzudämmen, um die zwanghafte Komponente des abhängigen Trinkens ein Stück weit auszuschalten.
Baclofen schlägt einem das Glas also nicht aus der Hand, aber es kann Betroffenen die Entscheidungsfreiheit zurück geben: Im Idealfall MUSS man nicht mehr zwingend trinken, weil man gegen das Verlangen machtlos ist. Man KANN sich wieder frei entscheiden, ob man trinken möchte, oder ob man es lieber lässt. Stattdessen braucht es dann natürlich andere Alternativen, die einem das geben, was bislang der Alkohol geleistet hat. Belohnung, Entspannung, "Kicks", "Glücksgefühle", Hemmungslosigkeit, Ausschalten von Ängsten, etc...Alkohol kann viele Funktionen übernehmen.
Das ist dann die eigentliche "Arbeit an sich selbst", an der über kurz oder lang niemand vorbei kommt. Dafür kann Baclofen den Kopf frei machen - nicht mehr, aber auch nicht weniger
.
Die besten Resultate erzielt man, wenn man abstinent mit der Baclofen-Therapie beginnt. Wenn Du momentan noch trinkst, käme vielleicht auch die Methode "So viel Alkohol wie nötig, so wenig wie möglich" in Frage. Das würde bedeuten, dass Du Baclofen langsam einschleichst und parallel dazu versuchst, den Alkohol zu reduzieren (jeden Tag ein bisschen weniger). Hängt auch davon ab, wie hoch Dein täglicher Alkoholkonsum gegebenenfalls ausfällt. Wenn er deutlich über einer Flasche Wein (oder vier Halbe Bier oder einer halben Flasche Schnaps) liegt, wäre eine vorherige Entgiftung eventuell schon sinnvoll. Du hast ja Therapieerfahrung, kannst das selbst denke ich ganz gut einschätzen. Da Alkohol und Baclofen - vereinfacht gesagt - biochemische Gegenspieler sind und sich gegenseitig antagonisieren ("neutralisieren"), kann es auf diesem Weg zwar ein bisschen länger dauern, bis sich erste Erfolge abzeichnen, aber das ist denke ich auch kein Beinbruch. Zumal man für die Baclofen-Therapie ohnehin ein bisserl Geduld mitbringen sollte
. Höher, schneller, weiter...ist hier IMMER kontraproduktiv. In der Ruhe liegt die Kraft.
Einen ersten Überblick rund um das Medikament bietet unsere Rubrik , konkreter im und . Genaueres zur Dosierung und Therapie findest Du im oder in den auf die jeweilige Tablettenstärke zugeschnittenen hier im Forum.
Lesenswert und aufschlussreich ist auch der Artikel , den man auch finden kann.
Eine Mail mit Arztvorschlag für Deine Region habe ich soeben abgeschickt, und zwar an Deine Mail-Adresse bei <gmx.de>, mit der Du dich hier im Forum registriert hast. Alles Gute einstweilen wünscht
DonQuixote
Baclofen kann diese Drehtür-Tortur zwischen Entgiftung, Entwöhnung, Therapie, ein paar Wochen/Monaten Abstinenz und dann alles wieder von vorn...in der Tat beenden. Warum und wodurch das möglich wird, ist und erklärt.
Leider vergessen Ärzte und Therapeuten allzu oft die Biochemie, die sich bei abhängigen Menschen über die Jahre verändert hat und die sich als scheinbar unüberwindbare "Hürde" beim Kampf um die Abstinenz entpuppt. Oder sie wissen es einfach nicht
![unknown [unknown]](https://forum-baclofen.com/images/smilies/unknown.gif)
Baclofen ist natürlich keine Wunderpille, die man schluckt und alles wird von alleine gut. Das Medikament kann aber die ständigen Gedanken an Alkohol und das unbändige Verlangen, das über kurz oder lang dazu führt, dass Betroffene wieder zur Flasche greifen MÜSSEN, eindämmen.
Die Idee, die hinter der Baclofen-Therapie steht, ist
a) über die "Beruhigung" der GABA-B-Rezeptoren langfristig einen ausgeglichenen, entspannten, relaxten Zustand herzustellen, damit extreme Stress-Situationen, Spannungen, Ängste und Verstimmungen, die einen zur Flasche greifen lassen, gar nicht erst aufkommen und
b) das körperliche Verlangen nach Alkohol (physisches Craving) einzudämmen, um die zwanghafte Komponente des abhängigen Trinkens ein Stück weit auszuschalten.
Baclofen schlägt einem das Glas also nicht aus der Hand, aber es kann Betroffenen die Entscheidungsfreiheit zurück geben: Im Idealfall MUSS man nicht mehr zwingend trinken, weil man gegen das Verlangen machtlos ist. Man KANN sich wieder frei entscheiden, ob man trinken möchte, oder ob man es lieber lässt. Stattdessen braucht es dann natürlich andere Alternativen, die einem das geben, was bislang der Alkohol geleistet hat. Belohnung, Entspannung, "Kicks", "Glücksgefühle", Hemmungslosigkeit, Ausschalten von Ängsten, etc...Alkohol kann viele Funktionen übernehmen.
Das ist dann die eigentliche "Arbeit an sich selbst", an der über kurz oder lang niemand vorbei kommt. Dafür kann Baclofen den Kopf frei machen - nicht mehr, aber auch nicht weniger
![smile [smile]](https://forum-baclofen.com/images/smilies/smile.gif)
Die besten Resultate erzielt man, wenn man abstinent mit der Baclofen-Therapie beginnt. Wenn Du momentan noch trinkst, käme vielleicht auch die Methode "So viel Alkohol wie nötig, so wenig wie möglich" in Frage. Das würde bedeuten, dass Du Baclofen langsam einschleichst und parallel dazu versuchst, den Alkohol zu reduzieren (jeden Tag ein bisschen weniger). Hängt auch davon ab, wie hoch Dein täglicher Alkoholkonsum gegebenenfalls ausfällt. Wenn er deutlich über einer Flasche Wein (oder vier Halbe Bier oder einer halben Flasche Schnaps) liegt, wäre eine vorherige Entgiftung eventuell schon sinnvoll. Du hast ja Therapieerfahrung, kannst das selbst denke ich ganz gut einschätzen. Da Alkohol und Baclofen - vereinfacht gesagt - biochemische Gegenspieler sind und sich gegenseitig antagonisieren ("neutralisieren"), kann es auf diesem Weg zwar ein bisschen länger dauern, bis sich erste Erfolge abzeichnen, aber das ist denke ich auch kein Beinbruch. Zumal man für die Baclofen-Therapie ohnehin ein bisserl Geduld mitbringen sollte

Einen ersten Überblick rund um das Medikament bietet unsere Rubrik , konkreter im und . Genaueres zur Dosierung und Therapie findest Du im oder in den auf die jeweilige Tablettenstärke zugeschnittenen hier im Forum.
Lesenswert und aufschlussreich ist auch der Artikel , den man auch finden kann.
Eine Mail mit Arztvorschlag für Deine Region habe ich soeben abgeschickt, und zwar an Deine Mail-Adresse bei <gmx.de>, mit der Du dich hier im Forum registriert hast. Alles Gute einstweilen wünscht
DonQuixote
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Re: George stellt sich vor und hat gleich eine Frage
Wie ging es weiter? An eine Ärzteliste bin ich bis heute nicht gekommen. Da ich allerdings nach wie vor dringend etwas an meiner Situation ändern wollte, habe ich einen Termin mit meiner Hausärztin vereinbart. Hier habe ich meine Situation geschildert , ohne Druck/Hinweise hin Richtung BAC zu geben.
Wir sind mit dem Ergebnis auseinander, dass ich es abends mit 15 mg Mirtazapin versuche um dem abendlichen Saufdruck entgegen zu wirken. Leider hat mich schon die halbe Dosis dermaßen aus den Socken gehauen, dass in an den Tagen nach der Einnahme zu nichts leistungsfähig war.
Ich habe einen weiteren Termin vereinbart. Hier habe ich geschildert , dass ich mir Baclofen schon einmal besorgt hatte, und es mir damals sehr gut geholfen hat.
Nun war es so, dass meine Ärztin das Medikament natürlich kennt, aber nicht den Zusammenhang von Baclofen und einer Alkoholherapie. Allerdings konnte sie einen gewissen Zusammenhang zwischen BAC und der Thematik herstellen.
Ohne zu zögern hat sie mir Baclofen verschrieben. Für sie standen eindeutig meine Gesundheit und nicht Zulassungen etc. im Vordergrund. Sie habe kein Problem damit mir ein Medikament gegen meine Rückenschmerzen zu verschreiben.
Ich nehme nun 1, 2 oder 3 x 6,25 mg am Tag. Ja nachdem wann ich nach Hause komme, und das Craving einsetzen könnte. D.h. unter der Woche sind es 1- 2 Dosierungen und am Wochenende oft auch drei. Damit komme ich sehr gut klar.
In der Hoffnung, dass vieles nun gut wird, wünsche ich allen ein erholsames Wochenende!
Grüße
George
Wir sind mit dem Ergebnis auseinander, dass ich es abends mit 15 mg Mirtazapin versuche um dem abendlichen Saufdruck entgegen zu wirken. Leider hat mich schon die halbe Dosis dermaßen aus den Socken gehauen, dass in an den Tagen nach der Einnahme zu nichts leistungsfähig war.
Ich habe einen weiteren Termin vereinbart. Hier habe ich geschildert , dass ich mir Baclofen schon einmal besorgt hatte, und es mir damals sehr gut geholfen hat.
Nun war es so, dass meine Ärztin das Medikament natürlich kennt, aber nicht den Zusammenhang von Baclofen und einer Alkoholherapie. Allerdings konnte sie einen gewissen Zusammenhang zwischen BAC und der Thematik herstellen.
Ohne zu zögern hat sie mir Baclofen verschrieben. Für sie standen eindeutig meine Gesundheit und nicht Zulassungen etc. im Vordergrund. Sie habe kein Problem damit mir ein Medikament gegen meine Rückenschmerzen zu verschreiben.
Ich nehme nun 1, 2 oder 3 x 6,25 mg am Tag. Ja nachdem wann ich nach Hause komme, und das Craving einsetzen könnte. D.h. unter der Woche sind es 1- 2 Dosierungen und am Wochenende oft auch drei. Damit komme ich sehr gut klar.
In der Hoffnung, dass vieles nun gut wird, wünsche ich allen ein erholsames Wochenende!
Grüße
George
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Re: George stellt sich vor und hat gleich eine Frage
Wer aus meinen Texten nicht herauslesen kann, dass ich aus persönlicher Erfahrung schreibe, wird mich sowieso missverstehen.
[phpBB Debug] PHP Warning: in file [ROOT]/vendor/twig/twig/lib/Twig/Extension/Core.php on line 1236: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable
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