Ich schreibe für meine Freundin, die seit inzwischen über 10 Jahren ein Alkoholproblem hat, das sich immer weiter verschärft. Laut der Ärzte-Karte hier im Forum klafft leider dort, wo wir leben, d.h. im Bereich Nürnberger Land (das Gebiet nordöstlich von Nürnberg) ein großes Loch. Gibt es hier wirklich keinen Arzt, der sich traut, off-label Baclofen zu verschreiben? Am nächsten läge dann wohl Regensburg.
Zur Einordnung vielleicht noch ein paar Worte über die aktuelle Lage. Irgendwo habe ich ein Zitat von den "4F" gelesen, die ein Abhängiger erst verlieren muss, bis er kapiert, daß es so nicht weitergehen kann: Finanzen, Führerschein, Freunde, Familie. Noch müssen wir an keines der F so wirklich einen Haken machen, auch wenn Alkohol inzwischen ein täglicher Begleiter geworden ist.
Der Beginn ihrer Sucht liegt noch vor unserer Beziehung im Bereich ihrer Ehe, die in Scheidung mündete. In der Linie der Eltern gibt es genetisch ziemlich sicher eine Anfälligkeit für Abhängigkeit. Mit Tabletten, Rauchen und Alkohol waren oder sind alle "gut dabei". Es folgte bei ihr Arbeitsplatzverlust einer guten Stelle, danach nur noch zeitweisen Engagements in geringfügiger Beschäftigung und mittlerweile seit Jahren AU. Die Finanzen sind aber kein Problem, ich verdiene gut und komme für das Wesentliche auf.
Den Führerschein gibts noch, auch wenn es vor Jahren schon sehr brenzlig war. Inzwischen reisst sie sich zusammen, wenn sie weiss, sie muss wo hinfahren. Viel Spielraum ist aber nicht, nach ca. 12-16h geht ein nur schwer zu versteckendes Zittern der Hände los. Metabolische Probleme (wie Unterzucker) schliessen sich oft an, da ihr Hungergefühl durch das Rauchen obendrein eingeschränkt ist.
Von den Freunden hat sich teu-teu-teu bisher niemand verabschiedet. Viele wissen auch gar nicht, wie schlimm es ist, denn diverse "Rettungsaktionen" meinerseits, d.h. sie von der Straße aufklauben und sie heimbringen, blieb vor ihnen wohl größtenteils unbemerkt.
Die Familie weiss natürlich trotzdem in hohem Maße Bescheid, ist jedoch bislang machtlos der Sucht gegenüber gestanden. Man ist konservativ und sehr religiös, beschämt, gefangen in dem Zustand, resigniert.
Inzwischen habe ich über Baclofen viel gelesen, mir den Arztkoffer besorgt (danke!!), die Studien gelesen, die Videos auf Youtube, die Therapie denke ich verstanden, mit Ramp-Up der Dosis bis der Ameisen-Test im Supermarkt zwischen Waschmittel- und Wein-Regal das gleiche Ergebnis liefert, usw.
Jetzt fehlt uns als nächster Schritt ein relativ gut erreichbarer Arzt zwecks individuellem Heilversuch.
