Ich stelle mich vor

Es wird eigentlich erwartet, dass sich Mitglieder vorstellen und ihre Lebensumstände schildern, damit die anderen in Etwa wissen, mit wem sie es zu tun haben und ihm dann auch besser helfen können.
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Ryckteufel
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Mann oder Frau?: Ich bin ein MANN
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Ich stelle mich vor

Beitragvon Ryckteufel » 16. Juni 2019, 19:07

Hallo liebe Mitglieder des Forums.

Ich lese schon seit recht langer Zeit immer mal wieder hier und bin inzwischen seit Ende Februar auch angemeldet. Ich bin 41 Jahre alt und wohne in einer Großstadt im Süden. Alkohol begleitet mich eigentlich schon so lang, dass ich nicht mehr genau weiß, wann und wie genau es eigentlich begann. In meiner Familie (ich komme aus dem Nordosten des Landes) wurde vor allem früher, als meine Großeltern noch lebten, immer recht gut getrunken und selbst meine Geschwister und ich bekamen schon in jüngeren Jahren immer mal einen Schluck Eierlikör. Das erste mal zu viel getrunken hab ich mit 14 !!! Jahren. Jugendweihe nannte man das bei uns, es war Erdbeerschaumwein und ich habe meinen Eltern vor die Füße „gekotzt“. Ich bin aufgrund fehlender Ausbildungsmöglichkeiten nach der Schule damals bereits mit 16 Jahren ausgezogen, lebe seitdem immer allein oder in WGs, jedoch ohne „elterliche Aufsicht“. Meine Ausbildung in der Gastronomie, welche ich in Berlin absolvierte, war sicher auch ein Grund, mehr zu trinken als der Rest, es war halt „normal“ unter den vielen Kolleginnen und Kollegen in der Hotelszene. Man ist dann halt immer in die Hotels der Bekannten und hat gefeiert.
In dieser Zeit kam ich auch vermehrt mit Drogen in Kontakt und hatte erste depressive Erfahrungen und Episoden nach für mich einschneidenden Erlebnissen, welche meist mit Verlustangst zu tun haben, was bis heute immer mal wieder vorkommt. Nach meiner Ausbildung bin ich wegen des Zivildienstes in den Süden des Landes und lebe dort immer noch. Ich bin bis heute in dem Beruf der Betreuung und Pflege von hilfsbedürftigen Menschen tätig. Allerdings habe ich nebenbei mein Fachabitur gemacht und ein Studium begonnen, welches ich jedoch nach Ende der Regelstudienzeit abbrechen musste, obwohl mir nur noch eine Bachelorarbeit gefehlt hätte. Ich habe nach einem Burn Out und einer für mich damals sehr schmerzhaften Trennung von meinem Freund sowie verschriebener Psychopharmaka, welche mich noch mehr runter zogen, im Frühjahr 2008 meine erste Entgiftung gemacht und gleichzeitig die Medikation verändert. Schreckliche Einrichtung, die Erinnerung daran verdränge ich bis heute recht erfolgreich. Nach der Entgiftung war ich wieder berufstätig und kümmerte mich um mein Studium. In dieser Zeit meldete ich mich selbst in einer psychosomatischen Klinik an, in welche ich dann kurz vor Weihnachten 2008 kam, da einige Privatpatienten natürlich keine Lust auf Feiertage in der Klinik hatten und daher sehr plözlich ein Platz frei wurde. Die Zeit war therapeutisch nicht vielbringend, da die verschiedenen Diagnosen und Problemlagen in meiner Gruppe eine individuelle Sicht bei jeder(m) von uns damals in so kurzer Zeit gerade über den Jahreswechsel schlicht nicht zuließen. Allerdings war es sehr heilsam, mal einige Zeit von „meinen Leben“ weg zu sein. Aufgrund dessen, dass es um Burn Out und Erschöpfung ging, wurde die Suchtthematik nicht angeschnitten. Nach (ich glaub) sieben Wochen war ich dann wieder raus und mein Alltag ging mehr oder weniger wie gewohnt weiter.

Ich hatte bis Ende 2015 immer wieder kurze heftige depressive Phasen, in denen ich auch immer mehr trank, als ich es ohnehin tat. Ende 2015 bin ich freiwillig in eine Entgiftung, welche ich dazu nutzte um mich aktiv um eine Langzeitentwöhnung mit der Doppeldiagnose Sucht und Depressionen zu kümmern, welche ich dann zwei Wochen nach Ende der Entgiftung auch antrat. Ich suchte Kontakt zu Beratungsstellen um mich für die richtige Einrichtung entscheiden zu können. Ich begann jedoch in diesen zwei Wochen bis zum Antritt des Klinikaufenthalts wieder auszugehen und trank weiter, wenn auch moderater. In der Klinik ging es mir sehr gut und ich baute mir sogar ein privates Umfeld ausserhalb der Klinik auf, welches es bis heute gibt. Allerdings war auch hier vor allem die therapeutische Einzelbehandlung nicht so, wie ich es mir erhoffte. Ich hatte mir gewünscht, heraus zu bekommen, wieso ich Alkoholiker bin und vielleicht auch, welche Gründe dafür sorgten, dass es so kam. „Wunschdenken“ halt. Ich bekam eine Menge anderer sehr guter Anregungen und Ideen, was so alles sonst mit mir los ist.
Ich bin als Kind und Jugendlicher emotional nicht „wirklich genährt“ worden sondern fast nur materiell (Dies zeigt sich bis heute in meinem distanzierten und manchmal sehr kontrolliertem Verhalten meinen Eltern gegenüber). Ich blende bis heute meine Gefühlsebene aus, obwohl ich ja merke, dass da was ist, was ich letztlich dann mit Wein und manchmal kleinen Wodkas betäube. In Gruppen erkenne ich mich gut selbst und erfahre viel Wertschätzung (das gilt auch bis heute sehr in meinem Kollegenkreis), habe jedoch ein Problem, anzuerkennen, dass ich wertvoll und liebenswert bin, weil ich mich selbst völlig anders wahrnehme. Dauerhaft wiederkehrendes Thema während des Aufenthaltes in der Klinik waren leider aber immer die „abgeschnittenen“ Gefühle mir selbst gegenüber und die daraus resultierende eigene Wertlosigkeit bzw. erlebte Minderwertigkeit. Eine Empfehlung an mich war daher, über eine Traumatherapie nachzudenken. Die Zeit in der Klinik hat mich gestärkt und mir sicher in vielerlei Hinsicht geholfen. Auf meine drängensten Fragen erhielt ich aber leider keine Antwort. Wieso reagiere ich mit extrem heftigen emotionalen und oft auch depressiven selbstzerstörerischen Phasen, wenn es um den eventuellen Verlust von Partnern geht? Ich ziehe mich dann tagelang zurück und wechsel zwischen Trinken und Schlafen.
Und auch immer noch die Frage, was führte dazu, dass ich auf einmal nicht mehr vom Alkohol los kam.
Inzwischen weiß ich natürlich, dass es auf viele Fragen keine einfachen Antworten gibt.
Ich machte nach dem Klinikaufenthalt meine Nachsorge, wobei ich auch hier wieder mit dem Thema konfrontiert wurde, ich würde auf alles gefühllos und kontrolliert reagieren.
Ich habe während der Nachsorge bereits wieder angefangen zu Trinken. Immer dann, wenn mich wieder etwas sehr mitnahm, ohne zu wissen, was genau das ist, habe ich mir eine Flasche Wein besorgt und es ging, wenn auch langsamer, wieder los.

Dieses Nichtwissen um meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse strengt mich inzwischen immer mehr an.Ich habe immer wiederkehrend „meine Phasen“, in denen mich meistens kein Mensch zu sehen bekommt. Ich mache alles mit mir allein aus und möchte mich in betrunkenem und „geistig verplanten“ Zustand niemandem zumuten, was bis auf bei meinem Mitbewohner fast auch immer klappt. Ich lasse mich in der Regel dann 2-4 Tage krank schreiben oder lasse mich erst dann gehen, wenn ich es mir zeitlich erlauben kann (selbst das plane ich noch, geht natürlich aber nicht immer). Aufgrund dessen, dass ich nicht Vollzeit, aber in drei Schichten arbeite und in der Personalvertretung tätig bin, habe ich immer mal wieder einige Tage frei.

In meinem Beruf bin ich körperlich gut eingespannt, fahre sehr viel Rad, schwimme oft und gehe regelmäßig zum Sport. Ich ernähre mich relativ gesund und lasse seit fast zweieinhalb Jahren auch die Finger von Drogen, was im Übrigen auch vorher nie ein großes Problem darstellte, weil ich immer auch sehr lange Phasen hatte, ohne etwas zu nehmen und auch nie eine Regelmäßigkeit bestand. Das hat mich auch nie gestört oder dazu geführt, mir etwas besorgen zu müssen. Da gab es keinen Grund und dementsprechenden Druck.

Ich trinke meistens 1 Flasche Wein und ein oder zwei kleine Wodkas mit Limo oder Saft pro Tag, dann in ca. 2-3 Stunden. Wenn ich ausgehe, sind es meist zwei bis drei halbe Bier, dafür selten etwas anderes. In der Disco können es schon ein paar Bier mehr sein, dafür bin ich dann aber auch sehr lang drin. In Gesellschaft kann ich mich sehr zusammenreißen (will ja nicht, dass jemand mich auffällig sieht). Ich meide meistens Biergärten öffentliche Plätze etc., weil ich schlicht nicht wahrgenommen und gesehen werden möchte (hab aber schon immer allein getrunken).
In meinen schlechten Tagen sind es dann zwei Flaschen Wein und zwei Wodkas mehr, das zieht sich dann aber schon mal über einen Zeitraum bis zu einer Nacht und dann bremse ich mich selbst, weil abzusehen ist, dass ein Arztbesuch ansteht oder ich innerhalb von z.B. 10 oder 12 Stunden wieder arbeiten muss und ich nicht fertig unter die Menschen möchte (wieder mal die Kontrolle).

Ich habe mir in der Vergangenheit Baclofen (Lioresal) im Ausland besorgt und nach ewigem Hin und Her einen Selbstversuch gestartet. Ich habe es mir zugetraut, da ich das Glück habe, bis auf einen Kater, wenns mal wieder mehr war, bisher keine Entzugserscheinungen zu haben. In den beiden Entgiftungen und in der Langzeittherapie habe ich keine Medikamente erhalten. Aufgrund meiner verschiedenen Arbeitszeiten und der Verantwortung Menschen gegenüber konnte ich jedoch nie höher dosieren, als 75-100 mg pro Tag, da ich mich wegen der nicht abzuschätzenden Wirkung nicht getraut habe, höher zu gehen.

Das Resultat allerdings war sehr aufschlussreich. Ich hatte oft den Eindruck, dass ich garnichts trinken möchte, wenn ich Zeit dazu gehabt hätte. So etwas wie Lustlosigkeit. Sobald dann jedoch wieder eine Belastung kam, kam wieder der Wein. Hier jedoch fiel mir auf, dass ich viel weniger als sonst in viel längerer Zeit trank und sogar eine Flasche über zwei Tage hielt. Insgesamt machte mich die Einnahme nach den ersten Tagen hochdosieren zwar etwas müde, es gab aber auch Tage, an denen ich auf einmal aktiv wurde und Dinge machte, die ich sonst gern mal aufschiebe (Putzen etc.) Ich fühlte mich alles in allem besser und etwas mehr bei mir.
Seit ca. zwei Wochen habe ich das Medikament wieder runter dosiert und aufgebraucht. Da ich aber bei recht geringer Dosis in einem relativ kurzen Zeitraum Veränderungen an mir, der Trinkmenge und vor allem dem Trinkverhalten spürte, hab ich mich trotz meiner vorhandenen Ängste (die Krankenkasse bekommt dann was mit usw.) dazu entschieden, mich mich ärztlicher Begleitung in ein neues Kapitel meines Lebens zu wagen.
Zu diesem Zweck stelle ich mich bei euch und im Forum vor.

Ich gestehe, es ist vielleicht ein langer Text geworden. Es tut mir aber gerade gut, dass aufzuschreiben. Ich habe sicher auch viel ausgelassen und vergessen, aber das ist ja gerade nicht so dringend.

Liebe Grüße
der Ryckteufel

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Mann oder Frau?: Ich bin ein MANN
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Re: Ich stelle mich vor

Beitragvon Lucidare » 16. Juni 2019, 20:43

Wer aus meinen Texten nicht herauslesen kann, dass ich aus persönlicher Erfahrung schreibe, wird mich sowieso missverstehen.

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Re: Ich stelle mich vor

Beitragvon Ryckteufel » 16. Juni 2019, 21:23

Vielen herzlichen Dank für das Willkommen.

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Re: Ich stelle mich vor

Beitragvon DonQuixote » 18. Juni 2019, 19:55

Hallo Ryckteufel

Danke für Dein Interesse an unseren Forum, und Danke, dass Du Dich uns anvertraust. Deine mit Angabe Deines Wohnortes habe ich erhalten, eine Mail mit Arztvorschlag ging soeben raus, und zwar an Deine Mail-Adresse bei <web.de>, mit der Du dich hier im Forum registriert hattest. Ganz viel Erfolg bei Deiner nun hoffentlich bald beginnenden wünscht

DonQuixote
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