zunächst vielen herzlichen Dank an alle Forumsmitglieder, die sich hier mit Beiträgen gegenseitig helfen, ihr Alkoholproblem aktiv anzugehen!
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Ich bin ein 48-jähriger Mann, wiege rund 100 Kilo und bin ein völlig gewöhnlicher Trinker. Nichts an mir oder meiner Sauferei ist besonders. Alkohol entfaltet bei mir eine süchtig machende Wirkung und ich kann die Menge meines Konsums nicht kontrollieren - Punkt. Das Rauchen, Kiffen und sonstige Drogen habe ich mir schon lange abgewöhnt, nur das Saufen ist immer geblieben. Schon mein erster Kontakt mit Schnaps - ich war 13 - hat mich abhängig gemacht. Mit 14 folgte die erste Vergiftung nach 1 Flasche Martini und 2 Liter Bier. Seitdem trinke ich. Unregelmässig, mal viel, mal weniger. Ab und an auch mit Totalabsturz. Die längste Abstinenz habe ich im Alter von 36 mit insgesamt 3 Wochen geschafft.
Trotz dieser gewöhnlichen Säuferkarriere habe ich mein Studium abgeschlossen und bin seither durchgehend berufstätig. Ich habe keine finanziellen Sorgen und bin kinderlos verheiratet. Da wir ins Ausland ausgewandert sind, haben wir kaum soziale Verpflichtungen und ich kann machen was ich will und wann ich will. Natürlich habe ich aber wegen meiner Sauferei immer wieder Stress mit meiner Frau.
Warum ich die Droge Alkohol schon seit 35 Jahren ständig konsumiere, habe ich inzwischen aufgearbeitet. Seit meiner stationären Therapie wegen Suizidalität (2009) bin ich in psychiatrischer Behandlung und besuche regelmässig eine SH-Gruppe. Morgens nehme ich ein Antidepressivum für den Serotonin- und abends eines für den Melatonin-"Haushalt". Meine Blutwerte und mein allgemeiner Gesundheitszustand sind aktuell soweit ok und meine Psyche ist stabil.
Dennoch mache ich mir aktuell die erste Dose Bier bereits direkt nach der Arbeit im Auto auf und trinke sie während dem Fahren auf dem Heimweg. Wenn es "gut" läuft, gehe ich nach vier Dosen und einer fettigen Mahlzeit früh ins Bett. Wenn es schlecht läuft, saufe ich bis in die Nacht hinein, melde mich morgens krank und saufe dann zwei Tage durch. Manchmal schaffe ich auch drei Tage ohne Alk und mache dann sogar Sport. Dann wird jedoch das Craving wieder zu stark und ich steuere nach der Arbeit wieder die Tanke an. Immerhin lasse ich von Wein, Sekt und Schnaps inzwischen weitestgehend die Finger.
Eigentlich hatte ich mich schon darauf eingestellt, dass mein Leben immer so weiter gehen wird. Durch einen Artikel im Internet wurde ich nun aber auf Baclofen aufmerksam. Das war vor zwei Wochen. Seitdem lese ich hier die vielen Berichte und Informationen von Euch Gleichgesinnten und in mir keimt der Gedanke, es zu versuchen. Ich werde meinen Arzt bitten, es mir als Privatrezept zu verschreiben. Wann ich damit beginne und welches konkrete Ziel ich mir setze, überlege ich mir noch. Ein erster wichtiger Etappensieg wäre, nicht mehr beim Autofahren zu saufen und ohne Kater durch die Arbeitswoche zu kommen. Denn natürlich mache ich mir nichts vor und bin sicher, dass einige meiner Kollegen schon längst Verdacht geschöpft haben. Natürlich werden sie mich nicht direkt anschwärzen, aber schon der blosse "unbedacht" geäusserte Verdacht eines ungeliebten Kollegen kann heute schon reichen und Du bist im Job plötzlich auf der Abschussrampe...
Sobald ich weiss, wie ich beginne, werde ich hier ein Tagebuch anlegen und will somit auch versuchen, mich etwas einzubringen.
Nochmals vielen Dank an alle, die hier Mitglied sind - egal, ob sie einen oder 500 Beiträge geschrieben haben. Denn nichts ist bei der Bewältigung schwerwiegender Probleme wichtiger als das Gefühl, nicht alleine zu sein.
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