Hallo Edgar,
was Du beschreibst, kennen fast alle, die mit dem Konsum eines Suchtmittels aufhören. Da ist dann erstmal ganz viel "NICHTS". Und es ist weiß Gott nicht leicht, sich quasi von heute auf morgen die vormals "künstlich" erzeugten Glücksgefühle anderweitig zu verschaffen. Abhängige Menschen haben sehr viel Zeit mit ihrem vermeintlichen "Freund" verbracht - die sollen sie jetzt plötzlich durch alternative Aktivitäten ausfüllen. Das ist anstrengend. Viel anstrengender, als der Griff neben sich zur Flasche. Die Verzweiflung, die dieser Umstand oftmals bei den Betroffenen auslöst, wird von Therapeuten nicht immer angemessen wahrgenommen.
Und viele Betroffene halten dieses "Warten" nicht aus. Warten, bis man sich mal wieder freuen kann. Bis einem wieder von ganz alleine etwas einfällt. Warten darauf, dass Dinge auch ohne Alkohol wieder Spaß machen.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich "im Hirn" durch die regelmäßige Alkoholzufuhr auch einiges umstrukturiert hat. Vereinfacht gesagt hat der Körper "verlernt", selbstständig genügend Glücksbotenstoffe (Endorphine, Dopamin, Serotonin etc.) zu erzeugen bzw. in all den Jahren so viele Andockstellen (Rezeptoren) aufgebaut, dass die selbst hergestellten Botenstoffe nicht ausreichen, um "befriedigend" zu wirken.
Das sind alles Faktoren, bei denen Baclofen nur bedingt helfen kann. Es klingt blöd, aber da muss letztendlich jeder für sich selbst schauen, wie er durch diese Phase am besten durch kommt. Wir kennen solche unangenehmen "Genesungsphasen" aber von vielen Krankheiten. Wer einen Tumor hat, muss oft wochenlang eine unangenehme Chemotherapie oder gar Bestrahlung etc. auf sich nehmen, um wieder "gesund" zu werden. Wer sich den Oberschenkelhals gebrochen hat, liegt erstmal acht Wochen flach.
Trost kann dabei aber die Gewissheit verschaffen, dass diese unangenehmen Phasen vorüber gehen. Hier sehe ich z. B. ein Plus von Selbsthilfegruppen. Dass man auf Leute trifft, die einem sagen: So war's bei mir auch, aber das geht vorbei.
Ganz übel und m. E. maßgeblich verantwortlich für viele Rückfälle ist es, wenn - in dieser ohnehin schwierigen Phase des "Wartens" - auch noch im Kopf alle Gedanken um Alkohol kreisen (Craving). Hier kann Baclofen helfen, indem es das Craving eindämmt.
Aus Deinen Zeilen lese ich, dass dieser Effekt bei Dir noch nicht eingetreten ist. Angesichts Deiner momentanen (z. T. wankelmütigen) Kombi aus Alk und Bac kann das auch noch nicht sein. Deshalb wiederhole ich mich an dieser Stelle gerne: Versuche, so "angenehm" wie möglich in die Balance zwischen Alk (langsam reduzieren) und Bac (langsam aufdosieren) zu kommen. Wenn das Craving dann nachgelassen hat, hast Du zumindest eine Baustelle weniger.
Wenn sich im Kopf nicht mehr alle Gedanken pausenlos um Alkohol drehen, wird das mit dem "Ausfüllen" der vielen freien Zeit und dem "Finden" neuer Dinge, die auch Spaß machen können, einfacher.
Ich glaube nach wie vor, dass motivierende therapeutische Unterstützung hier sehr hilfreich sein kann. Keine Psychoanalyse (halte ich bei abhängigen Patienten - solange sie nicht absolut stabil sind - ohnehin für wenig sinnvoll), auch keine endlosen Gesprächssitzungen, sondern eine resiliente Therapie, die ressourcen- und lösungsorientiert ausgelegt ist. Positiv bejahend, Lebensfreude vermittelnd.
Vielleicht hast Du Lust, mal ein bisschen in diese Richtung zu "googeln", quasi als Zeitvertreib, bis sich die Wirkung von Baclofen bemerkbar macht...
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LG Papfl