@ Willo
Auch wenn Du den Faden schon "geschlossen" hast
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, vielleicht noch eine kurze Anmerkung. Weil ich ehrlich gesagt Deinen Ansatz nicht ganz verstanden habe.
Thesen wie "Alkoholismus ist heilbar" bzw. "Alkoholismus ist unheilbar" lassen sich nach unserem Wissenschaftsverständnis (Falsifikationismus) nicht verifizieren. Sie sind:
1) zu pauschal gehalten und
2) für einen dynamischen Prozess wie "Heilung" unzureichend.
Deshalb kann auch weder die eine Seite noch die andere Seite wissenschaftlich gesehen eine der beiden Thesen für sich in Anspruch nehmen.
Ich versuch's mal, an einem Beispiel (das Du sicherlich kennst
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) zu verdeutlichen:
Die These "Alle Schwäne sind weiß" ist so lange richtig, bis ein schwarzer Schwan gefunden wird. Danach ist die These hinfällig und widerlegt. Das ist das Falsifikationsprinzip.
Äquivalent wäre die These "Alkoholismus ist heilbar" dann widerlegt, wenn ein einziger "unheilbarer" Fall bekannt würde. Nun gibt es davon reichlich (Rückfälle, Trinker bis zum Lebensende etc.). Aber wer sagt mir, dass der Rückfällige oder an seinem Alkoholkonsum Verstorbene nicht hätte geheilt werden können, wenn er nicht rückfällig geworden oder gestorben wäre?
Wenn ich einen schwarzen Schwan finde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der nur "vorübergehend" kurz schwarz wurde und irgendwann dann wieder weiß ist (und bleibt), sehr gering. Sollte es dieses Phänomen unter Schwänen geben ("spontaner Farbwechsel"), dann müssten die Ausgangsthesen anders formuliert bzw. durch weitere Bedingungen eingeschränkt werden. Und das macht sie wissenschaftlich wieder schlechter bzw. mit zu vielen Variablen irgendwann überflüssig.
Genau so wenig, wie ich beweisen kann, dass jemand von der Alkoholabhängigkeit geheilt werden kann, kann ich beweisen, dass er nicht davon geheilt werden kann. Die Ausgangsthese wäre dann:
"Alkoholismus ist unheilbar" und das Spiel beginnt von vorn. Um diese These zu entkräften, musst Du einen Fall bringen, der tatsächlich geheilt wurde. Gleiches Dilemma:
1) Wer sagt Dir, dass der von Dir angeschleppte Beweis (z. B. Olivier Ameisen) nicht irgendwann doch wieder rückfällig geworden wäre?
2) Wie definierst Du Heilung überhaupt (mit Abstinenz, xx Gramm Alkohol pro Tag/Woche, kontrolliertem Trinken...)?
Die Krux liegt tatsächlich darin, dass solch pauschale Thesen auf dynamische Prozesse wie Heilung nicht angewendet werden können, und weil so viele Komponenten mit rein spielen (allein die Variablen für die Definition der Heilung würden eine Ausgangsthese "überfrachten") sind sie auch dementsprechend sinnlos.
Die eine Seite kann nur vermeintlich etwas besser argumentieren, weil "Alkohol-Leichen" und Rückfälle eben zwangsläufig in Kliniken (oder eben SHGs etc.) dokumentiert werden. Wer mit 50 aufgehört hat zu trinken und eines "natürlichen" Todes stirbt, steht auf keiner Liste. Und wenn's so wäre, wer garantiert mir, dass derjenige nicht vielleicht doch...siehe oben...
Worüber man sich austauschen kann, ist die Methodenfrage: Wie kann ich meine ganz persönlich definierte "Heilung" am besten erreichen? Mit SHGs, mit Baclofen, mit Religion,...
Und das tun wir hier im Forum fast jeden Tag
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Ein schönes Wochenende wünscht
Papfl
P.S. Von mir aus kann der Faden gleich wieder "geschlossen" werden, ich möchte mit meinem Statement keine wissenschaftstheoretische Diskussion eröffnen, das würde komplett OT
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