Guten Morgen mare,
da sind wir ja beinahe gemeinsam "in den Kampf gezogen".
Ich hab gestern mit meinen ersten 20 mg begonnen, und obwohl eigentlich gestern der klassische Craving-Tag gewesen wäre, (immer nach drei Tagen Nicht-Trinken spätenstens kriege ich wieder einen Suchtdruck von Feinsten), war alles ruhig. Beinah beunruhigend ruhig.
Sicher ist viel Psyche dabei, dass man sich in gewisser Weise "beschützt" fühlt durch das Baclofen, aber hey!
Wenn's schee macht!
Und obwohl ich mich gedanklich viel mit Alkohol beschäftigt habe, da ich grad noch Olivier Ameisens Buch zu Ende lese, gab es keinen Moment, an dem ich gedacht hätte: Sch*** drauf, ich hol mir jetzt meinen Roten!
Dass Du herumläufst, Dich an der Luft bewegst und mit Dir selber drüber redest, was Dich grad ärgert, ist eine sehr gute Maßnahme, denke ich. Ich lese parallel zum Entzug grad auch ein Buch mit dem Titel: "Mit dem Herzen eines Buddha"; der Titel ist ein wenig irreführend, es geht nicht in erster Linie um den Buddhismus, sondern im Original heißt es "Radikale Akzeptanz", was grob gefasst bedeutet, dass man immer wieder am Tage kurz innehält, ("Pause machen" nennt die Autorin Tara Brach es), und BENENNT, was man gerade fühlt. Einfach sagt: "Ich fühle mich jetzt sehr unter Druck/ ärgerlich/ niedergeschlagen, ja. So ist es."
Bei mir führt das zu erstaunlichen Ergebnissen.
Gestern abend im Bett mit Herrn Ameisens Buch kam kurz so eine dicke, fette Lust auf einen Schluck ums Eck, und da hab ich das Buch hingelegt und laut gesagt: "Ich sehe Dich. Mir ist klar, dass Du Dich jetzt bemerkbar machst, ich kann Dir nichts geben, aber ich nehme Dich wahr." Daraufhin war sofort Ruhe im Karton und ich konnte weiterlesen. Ich glaube fest daran, dass Vieles, das wir unterdrücken und nicht sehen/ wegschieben wollen, mit Macht zurückkommt und Aufmerksamkeit fordert. Wir alle haben da unsere leidvollen Erfahrungen mit Trockenbleibenwollen mittels Vermeiden. Und das ist ja nicht nur mit dem Trinken so, das Vermeidenwollen.
Das ist jetzt alles vielleicht ein wenig oberflächlich und ungeordnet hingeschrieben, aber es ist ja auch erst zwanzig nach sieben, das Kindchen schläft noch und ich nutze jede Minute, in der nicht im Nebenzimmer "Ritter Rost" aus dem Recorder schallt - seht es mir bitte nach...
Jetzt haben wir also eine Stütze (Baclofen) an unserer Seite, die uns hoffentlich helfen wird, weiterzumachen.
Ich freue mich mit Dir, mare, (schöner Name!) dass es Dir gut geht.
Liebe Grüße aus dem Ruhrpott und einen schönen Tag gewünscht von
tournesol
Über sieben Brücken musst du geh'n. (Karat)
Sometimes you have to burn some bridges to keep the crazies from following. (Aunty Acid)