ich lese hier seit längerem mit, habe mich aber erst jetzt registriert wegen einem Thema, was mich seit kurzem sehr beschäftigt. Meine Wenigkeit hat nur seit etwa 6 Wochen praktische Erfahrungen mit Baclofen sammeln können, eigentlich (auf das eigentlich gehe ich später noch ein) eindeutig bis jetzt in eine sehr positive Richtung. Ich bin seit der Zeit auch komplett trocken (abgesehen von einem kleinen Rückfall, der ohne Folgen blieb) und mir fällt es bereits jetzt leichter „NEIN“ zu Alkohol zu sagen, wenn der Trinkwunsch kommt.
Ich habe seit Monaten versucht möglichst viele Infos zu diesem Medikament zu sammeln, vor allem natürlich in diesem Forum und aufgrund der vielen positiven Berichte, mich dazu entschlossen endlich meinen Arzt nach einer solchen Therapie zu fragen. Das hat auch nach dem zweiten Anlauf geklappt. Momentan bin ich bei 50mg/Tag.
Um gleich zu der eigentlichen Frage zu kommen: Gibt es User, die es geschafft haben, nach einer längeren Therapiedauer (mehr als 6 Monate), Baclofen selbstständig und ohne größere Probleme abzusetzen? Unabhängig davon, was der Hintergrund war. Vielfach habe ich Antworten gelesen, wie:
- „Warum absetzen? Ich werde es jahrelang/das ganze Leben lang nehmen, wie ein Blutdruckmedikament. Schließlich ist meine Alkoholabhängigkeit ja nicht damit geheilt, es schafft mir nur den Freiraum, zu entscheiden, ob ich trinken will oder nicht“
- „Ich kann es jederzeit ausschleichen. Ganz easy, einfach vorsichtig runterdosieren und gut ist.“
Ich finde den ersten Punkt valide und bin vollkommen damit einverstanden, dass eine fortgeschrittene Alkoholabhängigkeit, wenn überhaupt, erst nach mehreren Jahren kombinierter Behandlung in den Griff zu kriegen ist. Trotz dessen finde ich es super wichtig zu erfahren, was das Medikament über Jahre hinaus mit dem Körper macht (ohne Frage, jahrelanges Trinken ist noch viel viel schlimmer für den Körper) und ob es möglich ist, davon wegzukommen, sollte der Wunsch oder ein gesundheitlicher Grund da sein. Was mir Sorge bereitet ist, dass wenn man über den Tellerrand der Alkoholabhängigkeit guckt und auch ausländische Foren durchforstet (natürlich ist da in den älteren Threads eher weniger das Alkoholproblem das Thema, sondern oft Medikamentenmissbrauch, sehr oft auch polytox), findet man nur Horrorberichte über das Absetzen von Baclofen von Usern, die Dosierungen über 75mg und länger als ein halbes Jahr systemisch zu sich nahmen. Die Gewöhnung an das Medikament und der Entzug soll sehr stark sein, und Panikattacken und Depressionen, die mehrere Jahre noch einen verfolgen, auch bei einem schrittweisen Ausschleichen. Man findet generell sehr wenig Berichte von denen, die es überhaupt geschafft haben, Baclofen komplett abzusetzen. Und die, die es geschafft haben, berichten über eine Abgestumpfheit, Anhedonismus, Schlaflosigkeit und von irreparablen Schäden, was u.A. das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit betrifft, die erst dadurch entstanden sind, weil man es über einen längeren Zeitraum täglich eingenommen hat. Ich maße mir nicht an, über die Glaubwürdigkeit solcher Berichte zu entscheiden, aber sie sind nun mal da und leider auch mehr als zuhauf. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob in solchen Foren wie dieses hier, die Gefahren nicht runtergespielt werden, indem man sich nur darauf konzentriert stetig die Dosis zu steigern und jegliche Nebenwirkungen, Panikattacken bei Dosisreduktionen usw. weg argumentiert. Dies soll nicht unbedingt eine Kritik sein, aber ein aktueller Eindruck von mir. Man hat nämlich das Gefühl (zumindest war es bei mir so), dass Baclofen nur akute Nebenwirkungen besitzt, die man entweder verträgt oder nicht. Dass es aber auch nachhaltig die Gehirnchemie verändert, psychische und möglicherweise körperliche Gewöhnung, die stärker als bei Alkohol und einigen Benzodiazepinen ist, relativ rasch aufbaut,- das erfährt man alles sehr spät.
Letztendlich würde es mich einfach freuen, wenn sich Langzeitberichte, die das Medikament erfolgreich abgesetzt haben und wie es gelaufen ist. Dieses Wissen muss genauso geteilt werden, wie die Erfolgsberichte über den Sieg über Alkohol.
Danke!
P.S. Auch eine interessante Frage wäre, wie ein unbeabsichtigter Entzug gehandhabt wird (Krankenhaus etc, besondere Situationen.) Baclofenentzug nach einer längeren hohen Dosierung scheint lebensgefährlich zu sein, wenn man die Dosis für mehr als 24-48 Std. aussetzt. Besonders gefährlich dabei finde ich dass man öfters liest, dass sich die Entzugssymptome nicht mit Benzodiazepinen behandeln lassen (wie z.B. bei Alkohol).Statistik: Verfasst von astarus — 9. August 2019, 14:01
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