Hallo Ihr Lieben!
Donnerstag, Baclofen Tag 36: morgens 1,5, mittags 1,5, abends 1,5, nachts 1,5
getrunkene Menge: 0,0 l
Allgemeines Befinden: gut
Trinkverlangen: null
Eieiei, das mit dem Outing ist doch ein sehr umfassendes Thema. Seltsam, dass ich mich erst jetzt so richtig damit befasse.... (danke für die links!)
Wenn ich das aufdrösel, habe ich recht viel Glück. Beruflich ist es egal. Als freischaffende Künstlerin darf man eh ein wenig "gaga" sein, das wird fast schon erwartet. Narrenfreiheit. Teilweise könnte ich auch völligen Blödsinn von mir geben und die Leute fänden es diskussionswürdig. Die Bürojobs, die ich während der Durststrecken annehme, sind immer kurzweilig, so dass die Frage nach einem Outing hier gar nicht aufkommt.
Und ansonsten bin ich tatsächlich schon immer etwas verpeilt gewesen, schon als Kind.

Da fällt ein angeschickerter Zustand nicht extrem auf.
Privat habe ich folgende Erfahrung gemacht: die wenigen, die es aus meinem Bekanntenkreis wissen, haben im Grunde dieselbe Problematik - eine entspannende Flasche Wein jeden Abend o.ä.. In den Gesprächen waren sie sofort eher bei sich, und sind in eine recht seltsame Rechtfertigung gerutscht. Ich fand das ganz spannend. Es war so, als hätte ich etwas thematisiert, was ihnen im Grunde selbst klar ist, aber noch nicht wirklich als "anzugehendes Problem" wahrgenommen wurde. Ich spürte auch deutlich den Schock, denn immer kam dieses "so viel trinkst du doch gar nicht!". Und die Gedankenblase über ihren Köpfen "mensch, wenn die schon was dagegen tut, müßte ich aber auch!"
Das waren die Reaktionen meiner beiden Mädels. Zumindest die eine versucht jetzt auch etwas zu ändern und hat hier schon eine Menge gelesen.
Der Dritte aus dem Bekanntenkreis, der besagte Trockene, hat mich noch auf der letzten Ausstellung besucht. Ganz bedauerliche Blicke, Mitleid pur. Aber das Gespräch, wegen dem wir uns Anfang der Woche treffen wollten, hat er ignoriert - ich habe nichts mehr von ihm gehört.
Familiär wissen es natürlich mein Mann und meine Mum. Das ist ok, auch wenn Mum natürlich immer alles besser und vor allem negativer weiß durch ihre Arbeit mit Suchtkranken.
Letztendlich kann es immer geschehen, dass wir uns jemandem öffnen und damit auf die Nase fallen. Es ist ganz normal, dass man sein Leid und auch die großen Veränderungen mit jemandem teilen will. Aber unterm Strich geht man den Weg doch allein.
Der Weg aus der Sucht ist der Weg zu sich selbst. Und er verlangt uns alles ab an Reflektion, Selbstliebe, Mut und Beharrlichkeit. Trotz aller Widrigkeiten ist es der beste und intensivste Weg, den ich jemals gegangen bin.
Hallo Lisa!
Kreative Begründung! Da stellt auch keiner mehr Fragen!
"Wieso rechtfertigen weil ich nichts trinke?"Eben! Aber vielleicht ist Alkohol derart fester und anerkannter Bestandteil unserer Gesellschaft, dass die meisten nicht verstehen, wenn jemand nichts trinkt - vor allem dann nicht, wenn er doch vorher (mit)getrunken hat. "Ach komm, du kannst wenigstens mit anstoßen!" wie oft hat man das schon gehört. Ich glaube, die Leute fühlen sich einfach wohler, wenn man mittrinkt. Denn - das ist meine Erfahrung - jeder, der ablehnt, weckt zumindest einen kurzen Gedanken. Man registriert das irgendwie und fühlt sich unwohl. sei es auch nur für den Bruchteil einer Sekunde.
Hallo Papfl!
Flucht nach vorne ist auf jeden Fall sehr mutig. Selbst dann, wenn es halt nicht anders geht. Dieser Rundumschlag hat viel für sich: so, jetzt wisst ihr Bescheid, macht euch was damit! Das kann schon sehr viel Druck nehmen, weil der ganze Verstell-Apparat weg fällt...
Das ist für's erste mein letzter Bericht, morgen geht es für eine Woche nach Dänemark. Und da ist es recht steinzeitlich ohne TV und PC...

Ich wünsche Euch allen eine fabelhafte Woche!! Immer weiter durchhalten!!!
Liebe Grüße und Drücker,
Mellchen